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Ende August 2002

 

 

Am Anfang war es hier zeitlos und ich habe diese Zeitlosigkeit genossen.

Es war einfach immer hell und man sah draussen jeden Grashalm. Zwar wurde es nach Sonnenuntergang um ca. 24:00 schon etwas dunkler und ich musste bis Sonnenaufgang um ca. 03:00 in der Werkstatt das Licht anzünden. Auch heute ist es noch lange hell und irgendwie komme ich mit der Zeitrechnung nicht ganz klar. Es ist immer viel später, als ich erwarte. Am Nachmittag bin ich meist sehr müde und habe Mühe, in der Schule und im Geschäft nicht einzuschlafen.

Ich habe eine schöne Werkstatt auf dem Gelände einer Mühle. Die Werkstatt ist im 1. Stock, da das Gelände nicht ganz eben ist, kann ich aber durch einen andern Raum mit einem PW in die Werkstatt hineinfahren. In der Nähe ist der Mühle-Weiher und ein Wasserfall über die Staumauer. Ueber der Staumauer ist eine Brücke, über die die Bahn fährt. Die Hauptstrasse ist ganz nahe und gut ereichbar (auch im Winter). Die Mühle ist am nördlichen Rand von Stjördal. Zu Fuss etwa 20 Min entfernt Richtung Zentrum habe ich ein Zimmer. Im Haus wohnen viele Leute und wir haben zu Dritt Wohnzimmer, Küche usw. im Kellergeschoss. Im Parterre und ersten Stock wohnen Schülerinnen und Schüler der Mittelschule. Stjördal liegt etwa 30 km östlich von Trondheim. Durch Stjördal führt die E6 von Oslo nach Narvik. Richtung Norden weisen die Wegweiser nur nach Narvik als nächste bedeutende Stadt, Distanz ca. 860 km. In Stjördal zweigt die E14 Richtung Stockholm ab. Der Flughafen von Trondheim liegt am Rand von Stjördal.

Hier ist seit Anfang Juli fast immer schönes Wetter. Das Land ist wunderschön. Eigentlich sollte ich endlich meine Werkstatt einrichten, aber ich gehe trotzdem manchmal hinaus. Der Winter wird lang und dunkel sein. So will ich von diesem wunderbaren Sommer etwas tanken. Am letzten Dienstagabend war ich auf dem "Stjördaler Uetliberg". Er ist zwar nur 590 m hoch, aber Stjördal ist ja schliesslich ca. auf 0 m. Trotzdem ich knapp nach Sonnenuntergang etwa um 21:30 dort war, habe ich rundum sehr weit gesehen. Gegen Westen und Norden sieht man über den Fjord mit seinen Buchten und vielen Inseln. Im Osten und Süden sieht man weit über Hügel und Berge, Seen und Wälder. Schön und einzigartig sind die Abendstimmungen hier. Der Fjord erscheint jeden Abend wieder anders. Ich kann das nicht gut beschreiben, man muss das erleben. Die Leute hier sind sehr nett und man hat das Gefühl, willkommen zu sein. Sie helfen mir beim telefonieren, da ich noch immer nichts verstehen kann. Auf der Strasse werde ich oft von Leuten gegrüsst, die mich scheinbar kennen, die ich aber nicht kenne.

Aussicht vom Forbordsfjellet ("Stjørdaler Uetliberg")

Aber ich kann keine Arbeit finden. Nach Informationen im Gelben Telefonbuch habe ich gemeint, ich sei der einzige im Tröndelag. Aber scheinbar ist vor einiger Zeit eine alteingesessene grosse Blachenfabrik und Autosattlerei südlich von Trondheim eingezogen. Ich habe etwa 450 Werbebriefe an Carrosserie-, Boot- und Transportfirmen verschickt und 500 Farbprospekte kopieren lassen, aber keine Antwort erhalten. Autos mit Blachenverdecken gibt es hier nur wenige. Gestern habe ich zum ersten Mal eine einfache Blache für einen Norwegischen Kunden gemacht. Laut Femdenpolizei darf ich ausser Kunststoffprodukte herstellen (Blachen) noch einen Transportdienst für Rollstuhlfahrer betreiben und Maschinen von Schweizer Herstellern verkaufen und betreuen. Rollstuhltaxis gibt es hier genügend und das Sozialwesen funktioniert scheinbar viel besser als in der Schweiz. Ausserdem kann ich den Zoll für die Fahrzeuge nicht bezahlen. Maschinen verkaufen kann ich nicht, da ich mich kaum verständigen kann. So suche ich also Schweizer Firmen, deren Maschinen ich betreuen könnte, aber wie??????? Wenn es hier nicht so schön wäre und die Leute nicht so nett wären, wäre ich schon wieder gegangen und irgendwo auf der Welt untergetaucht, da ich nicht Konkurs gehen möchte. So bleibe ich hoffnungsvoll noch einige Zeit und lebe vom Geld, das ich eigentlich für die Steuern bereitgelegt habe, da ich nach Vorankündigung die Steuern zum Voraus bezahlen muss. Wenn dann die Steuerrechnung kommt, und wenn ich dann ausziehe und untertauche, verringern sich ja die Steuern mit der kürzeren Aufenthaltszeit. Vielleicht hat sich die Situation für einige Monate auch verändert: Ich habe von einer Schweizer Firma eine grössere Anfrage (Anfrage, nicht Bestellung!) erhalten. Der mögliche Auftrag würde mich 2 Monate beschäftigen. Vorher müsste ich aber für sFr. 80 000.- Material einkaufen. Wie ich das machen kann, weiss ich noch nicht. Ich verhandle zur Zeit mit dem Kunden wegen möglichen Vorauszahlungen. Trotzdem müsste ich noch irgendwie Geld auftreiben. Wenn der Auftrag käme, müsste ich bald in die Schweiz fahren um Werkzeuge zu holen. Der Auftrag würde meine Probleme nicht lösen, aber etwas verschieben. Ich könnte in dieser Zeit Norwegisch lernen und hier besser bekannt werden.

Seit einer Woche gehe ich jeden Tag von morgens 9:00 bis nach Mittag ca. 13:30 in die Schule zum Norwegisch lernen. Die Zeit fehlt mir sehr im Geschäft, da ich am Nachmittag wegen Müdigkeit nicht mehr viel machen kann. Die 7 Schülerinnen und der andere Schüler der Klasse sind von verschiedenen Ländern: Chile, Russland, Ukraine, Lettland, Thailand, Deutschland, Philippinen und von einem afrikanischen Staat.

Ich habe Mühe mit dem Computer. Lange Zeit konnte ich keinen Kontakt zum Internet herstellen. Die CD vom Provider geht nicht für Windows 95 und beim "Telefonsupport" nimmt nie jemand ab. Als ich endlich Internetverbindung hatte, war nach ein paar Tagen wieder unterbrochen. Anfang Woche konnte ich endlich mit dem alten Lap-Top, das ich einmal erhalten habe, und einem alten Modem eine Verbindung herstellen. Beim Versuch, die Verbindung wieder mit dem Computer herzustellen, stürzte dieser ganz ab: Während dem Starten unterbricht er, weil er angeblich keine IO-Adresse für den ISDN-Controller zur Verfügung stellen kann. Beim nächsten Start kann ich nur im abgesicherten Modus starten, wo mir kein CD-Rom-Laufwerk zur Verfügung steht und die Hardware-Einstellungen nicht geändert werden können. Nachher beginnt alles wieder von vorn.

Ich schreibe etwa 800 Mails an Schweizer Maschinenfirmen wegen einem møglichen Servicedienst in Skandinavien, die wenigen Antworten, die ich erhalte, sind negativ. Ich besuche etwa 100 Firmen, vor allem Garagen, - keine Arbeit, ich werde høchstens ausgelacht. Ich høre Sprüche wie "Man zieht nach Süden, nicht nach Norden!" "Wir brauchen Dich nicht, geh' wieder heim" "Du kannst ja nicht einmal norwegisch!" usw. Ich verzweifle in der Schule: mein Vermøgen næhert sich Null, die Unkosten und Rechnungen nehmen zu und ich kann kaum zu essen kaufen. Der Lehrer bringt mich rasch ins Sozialamt. Der Sozialarbeiter fragt mich nach dem Mietzins und erklært, dass er nun keine Zeit habe und dass er bereit sei, meinen Wohnungszins zu zahlen und in ca. 3 Wochen eine Besprechung durchzuführen. Ich erinnere mich, dass ich nur für ein Jahr eine Aufenthaltsbewilligung habe unter der Bedingung, dass ich selber für mich aufkomme. Ich erklære ihm, dass ich Arbeit brauche, nicht Geld. Der Lehrer bringt mich zu einem Amt für Asylanten. Der Sozialarbeiter dort gibt sich sehr Mühe trotzdem ich als Schweizer natürlich offiziell nicht als Asylant auftreten kann. Er erkundigt sich nach Møglichkeiten, u.a. auch mit dem unterdessen wirkenden EU-Abkommen der Schweiz, und reicht eine neue Anfrage um eine længere Aufenthaltsbewilligung ein.

Ich suche eine Arbeit in Deutschland, jedoch diesmal erfolglos. Ich plane, alles hier liegen zu lassen und in Deutschland unterzutauchen. Ich hoffe, von "der Strasse aus" irgend eine Arbeit zu finden, die mir ein Ueberleben ermøglicht. Im letzten Moment erøffnet sich die Møglichkeit, in der Pamatech in der Schweiz, vorübergehend als Hilfsarbeiter zu arbeiten. Ich nehme die Stelle an und verabschiede mich für 2 - 3 Monate von Norwegen.

 

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Dezember 2002

Zur Zeit arbeite ich bei der Fa. --- http://www.pamatech.ch ---. Hier kann ich etwas verdienen und gleichzeitig Erfahrung in mechanischer Arbeit holen.

Gleichzeitig besuche ich in der Technikerschule einen Kurs über "Inventor", ein neues CAD-System. Diese Kenntnisse kann ich Anfang Januar in der gleichen Firma für einfache Konstuktionen anwenden. Ich hoffe, dass ich nachher in Norwegen so bessere Chancen habe, realistisch gesehen bleiben sie aber sehr gering.

Auf dem Weg in die Schweiz war ich in Berlin in der Kanadischen Botschaft zu einem Interview, zu dem ich nach 1 1/2jähriger Wartezeit eingeladen wurde.

Trotzdem alle Vernunft dagegen sprach (die Fa., die ich übernehmen wollte, ist unterdessen liquidiert und ich habe kein Vermögen mehr), wurde eine Aufenthaltsbewilligung mit Vorbehalt der ärztlichen Untersuchung versprochen.

Die ärztliche Untersuchung ist dann allerdings vermutlich schief gelaufen.

Gegen Ende Januar werde ich nach Norwegen zurückkehren ---- mal sehen, was dann passiert.

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Februar 2003

 

Ja, die Reise zurück nach Norwegen, war mit blöden und ein bisschen weniger blöden Pannen verbunden. Ich überzog also einen Polsterstuhl fertig und fuhr dann, Sonntag Morgen um ca. halb drei Uhr, nachdem ich Fritz aus dem Bett geholt habe, weil das Schloss an der Haustüre defekt war, endlich ab, da ich ja am Abend vor dem grossen Lastwagenverkehr in Hamburg sein wollte. Als ich in Mettmenstetten tankte, merkte ich dass ein Pneu sehr weich war und pumpte. Daraufhin kontrollierte ich den Reifen einige Male, merkte aber keinen Unterschied mehr. Ich hatte von der Hinfahrt her relativ viel Euro, die mir durch ganz Deutschland genügten. Irgendwann stellte ich mit Schrecken fest, dass ich den Geheimcode für die Bankkarte vergessen hatte. In der Schweiz hatte ich immer die Postcard gebraucht und so merkte ich nicht, wie diese blöde Nummer langsam aber sicher aus meinem Gedächtnis entschwand. Zuerst beruhigte ich mich damit, dass mir die Nummer schon wieder einfallen würde, damit hatte ich mich aber getäuscht. Dann versuchte ich an verschiedenen Apparaten verschiedene Nummern aus, jedoch ohne Erfolg. Da ich nicht wusste, nach wievielen Falschangaben die Karte ev. für immer eingezogen wird, ging ich sparsam mit den Versuchen um. Später, in Stjørdal, stellte ich fest, dass ich keine Chance gehabt hätte. Gegen Mitternacht schlief ich auf einem Parklplatz nach Hamburg einige Stunden bis am Morgen. Als ich wegfahren wollte, merkte ich, dass der Reifen nun ganz platt war. Den Wagenheber konnte ich nicht ansetzen, weil die Karosserie überbreit ist. Ich musste den ADAC um Hilfe beten nachdem ich einige Autolenker nach der entsprechenden Nummer oder Nummer des Auskunftdienstes gefragt hatte. Dieser kam dann auch innerhalb einer Stunde und half gratis mit.

Nun kam das Geldproblem, das ich noch in einem Land, in dem ich mich verständigen kann, lösen wollte. Ich fuhr nach Lübbeck und fand nach einiger Suche am Stadtrand einen geeigneten Parkplatz. Nun wurde ich von einer Bank zur andern geschickt, aber alle erklärten, dass sie grundsätzlich kein Bargeld mehr auszahlten, auch an der Kasse nicht. Nach vielen erfolglosen Versuchen fand ich endlich eine Bank, die bereit war, gegen Vorweisen der Bankcard Geld auszuzahlen. Nun musste ich noch ein Pneugeschäft finden, das mir den Reifen reparierte. Die Autowerkstätten waren nicht dazu bereit. Im Pneugeschäft musste ich mir dann auch einen neuen Reifen aufschwatzen lassen, trotzdem der "alte" vor der Abfahrt neu war. Unterdessen war es Mittag geworden.

Als mich dann auf der Fahrt durch Schweden Fredy anrief, freute ich mich sehr, eine bekannte Stimme zu hören. Natürlich freute ich mich auch, als Monika anrief, nur war ich mir dies eher gewöhnt.

In Schweden regnete es und nach Götheborg begann es zu schneien. So waren die Aussichten für die weitere Fahrt nicht besonders gut und ich malte mir aus, was für Schwierigkeiten noch entstehen können. Der Schneefall ging später wieder in Regen über und gegen Norwegen nahm der Regen ab.

Bei Dämmerung ca. 9:00 wurde ich im Raum Oslo von Norwegischem Wetter empfangen. Dieses Wetter kannte ich vom Sommer und Herbst und kam mir manchmal wie eine Verführung vor. Nun also blauer Himmel und Sonnenschein. Manchmal etwas Nebel.

Vor Hamar entschloss ich mich, die E6 zu verlassen und auf der Geheimtip-strasse Nr. 3 weiterzufahren. Ich zögerte lange, weil ich nicht wusste, wie die Strasse unterhalten wird. Aber die Strasse ist ca. 30 km kürzer und hat ca. 300 m weniger Höhenunterschied. Dafür führt sie durch ein im Winter extrem kaltes Gebiet, 200 km lang immer dem gleichen, halbjährig zugefrorenen Fluss entlang. Als dann nach der Abzweigung in Elverum eine Tafel das Ende der salzbehandelten Strasse bekanntgab, zögerte ich nocheinmal. Wie war wohl die Passstrasse am Ende dieser Strecke? Aber zurückkehren wollte ich nicht mehr. So fuhr ich etwa 200 km bei schönstem Wetter auf ganz mit Eis bedeckter Strasse. (Etwa 3 Tage später soll es dort –32 Grad gewesen sein.) Auf das Eis war Sand gestreut, der zusammen mit dem Eis eine Art Strassenbelag bildet. Der Belag war aber recht rutschig und so war Vorsicht geboten. Die Passtrasse hinauf war der festgefahrene Schnee im Abstand von ca. 10 cm quer zur Fahrrichtung aufgeschnitten, was offenbar mit einer Walze gemacht wird. So bildet sich ein griffiger Belag. Nach der Passhöhe begann es zu schneien und ich entschloss mich, die Ketten zu montieren, um mit dem Anhänger gut hinunterzukommen. Vor Støren stellte ich dann fest, dass die Instrumentenbeleuchtung ausgefallen war. Unterdessen dämmerte es wieder. Ausgefallen waren aber auch Standlichter, Rücklichter usw. Zuerst wechselte ich in immer kürzeren Abständen Sicherungen. Dann fand ich die Ursachstelle unter dem Rahmen des Anhängers. Etwa um halb neun Uhr abends war ich in Stjørdal. Ich holte noch den Wohnungsschlüssel bei Kristine in Hegra und legte mich bald schlafen.

Es wartete schon Arbeit auf mich: Der Mühlebesitzer erklärte, dass ich ihm einige Bürostühle neu beziehen könne (Ich bin heute noch nicht fertig damit). Ein Chauffeur wartete darauf, dass ich ihm die Anhängerdachblache ersetze und die Motorwagenblache repariere. Ein Arbeiter und sein Freund wollten je eine neue Znünitasche aus Leder. Ein Vorzelt wartete auf dem Arbeitstisch seit meiner Abreise (und noch heute) auf seine Reparatur. Unterdessen hat sich noch ein weiteres Zelt dazugesellt.

Es wurde kälter und in der übernächsten Nacht soll es –24 Grad gewesen sein. Ich war froh, dass die Fahrt bei relativ gutem und „warmem" Wetter stattgefunden hat.

Der Chauffeur wollte am kommenden Wochenende kommen und mir war das recht. Das Wochenende sollte kalt, aber trocken werden. Ich kaufte Salz, um den verschneiten Boden aper zu machen (Damit die Leiter hält). Der Schnee wurde wenigstens etwas weicher. Nachher verschob er aber um eine Woche.

In der Woche dazwischen wurde es wärmer und Regen war angesagt. Es regnete nicht viel und der schneebedeckte Boden wurde zu einem Eisfeld. Er ist z.T. heute noch vereist. Alle Strassen im Dorf waren von einer dicken Eisschicht bedeckt, Sand wurde erst einige Tage später gestreut. Die Anzahl der ins Spital eingelieferten Leute sprang auf das mehrfache. Die Ursache war vor allem Beinbrüche. Später stand allerdings in der Zeitung, dass die vielen Beinbrüche wegen der schlechten Ernährung der Norweger sei. Auf das Wochenende hin wurde der von mir gesalzene Boden aper und so konnte ich gut draussen arbeiten. Der Chauffeur rief am Sonntag Abend um 22:00 an und stellte fest, er sei in Stjørdal und würde um Mitternacht kommen, um bei der Montage mitzuhelfen. Um nach Hause zu gelangen, müsste er nach Trondheim fahren, dort mit der Fähre über den Fjord und dann nocheinmal mit dem Auto 2 Stunden fahren. Zusammen wurden wir um halb vier Uhr fertig. Er erzählte, sein Freund habe ihm von Tromsø angerufen. Dort seien alle Strassen dick vereist. Ich sagte, dass er aber auf solchen Strassen nicht fahren könne. Er sagte, von Gesetzes wegen müsse er in den Wintermonaten 7 Schneeketten mitführen: 4 für die Hinterräder, 2 für den Anhänger und 1(!) Kette für ein Vorderrad. Wenn er alle Ketten montierte, könne er auch auf eisbedeckten Strassen fahren. Später merkte ich, dass die Ketten in Norwegen offene Stahldrähte angeschweisst haben, die wie Spikes wirken, nur noch länger sind.

Nachdem der Lohn (wesentlich mehr als abgemacht, herzlichen Dank) von David (Pamatech) kam, konnte ich mir einige Einrichtungsgegenstände kaufen. Vorerst ein Heissluftgebläse für die Heizung der Werkstatt. Dann vor allem Norwegische (auch EU-) Stecker und Steckdosen. Ein Hauptschalter, der mir ermöglicht, allen Strom ausser Beleuchtung und Büro abends auszuschalten.

Am Donnerstag in der 2. Woche ging ich zu  einer grossen Fahrzeugbau-Werkstatt. Sie hatte im Dezember wegen vier Blachen angefragt und sie nachher bei der Konkurrenz bestellt, weil ich ja in der Schweiz war. Am Gestell, eine grundlegende Neukonstruktion, und darum auch an den 2 montierten Blachen mussten Aenderungen ausgeführt werden. Ich änderte die Blachen am Samstag bei ihm am Fahrzeug, bevor ich am Sonntag die Blache für den Chauffeur machte. Er gab mir eine Blache zum Aendern mit und bestellte eine neue Blache.

Als ich von der Schweiz zurückkam, hatte ich wesentlich weniger Mühe mit der Sprache, als vorher. Ich verstand Leute, die ich vorher nie verstand. Jetzt habe ich wieder etwas mehr Mühe. Ich weiss nicht, warum. Ich bin auch wieder viel mehr müde, besonders jetzt nach der Grippe. Vielleicht hängt es damit zusammen.

Seit ich wieder hier bin, kommt Kalle, ein Mühle-Arbeiter, jeden Tag vorbei um ein paar Worte mit mir zu reden. Vorher habe ich ihn nur selten verstanden. Diese tägliche Gespräch nützt sehr viel. Auch sonst kommt jeden Tag irgend jemand in meine Werkstatt. Manchmal wegen Offerten, bei denen ich dann zu teuer bin, trotzdem ich an die unterste Limite gehe, z.B. div. aufblasbare Figuren für irgendwelchen „Sport", die der „Kunde" schlussendlich zum gleichen Preis in Deutschland bestellt, ein Zelt aus Segeltuch an einen historischen Ort, das der „Kunde" vermutlich im viel billigeren Schweden machen lässt (Er hat auch seine andern Zelte von Schweden) usw., manchmal wegen Kleinigkeiten z. B. 1-Quadratmeter-Blachen, um Atmungsgeräte der Feuerwehr zu versorgen, 2 Blachen ca. 30 x 95 cm mit Verstärkungen und Oesen, dann wieder, um diese „Blachen" abzuändern, ein kleiner Riss an einem Zelt reparieren, ein Drehverschluss an einer Tasche ersetzen usw. Manchmal auch grössere Sachen: Eine Blache über der Ladefläche eines Pick-up, am gleichen Tag (bis abends 22:00) eine Blache 8 x 3.5 m, später diese Blache wieder reparieren und eine zweite neue Blache 8 x 3,7 m, eine grössere Reparatur (die zweite lässt er bei der Konkurrenz billiger machen, 4 Containerblachen usw.

In der dritten Woche ging ich zu einer Karosseriefirma. Auch sie wollte im Dezember etwas bestellen. Der Chef war nicht dort und ich hinterlegte einen Prospekt. darauf rief er bald an. Ich ging vorbei (ca. 50 km, hinter Trondheim). Er hatte im Moment keinen konkreten Auftrag. Er zeigte mir ein "Wohnmobil", von denen er einige machen will. Sie sind auf Lastwagenchassis gebaut und enthalten allen denkbaren Luxus. Das Wohnzimmer kann ausgefahren werden, sodass es wesentlich breiter wird, als das Fahrzeug ist. Im hintern Teil befindet sich der Pferdestall. Die Polster sind alle mit Leder bezogen. Sie sind glatt, in Zukunft möchte er aber bestimmte Muster. Ich sollte ihm auch Matratzen usw. herstellen. Endlich komme ich zu Lieferanten-adressen. Er gibt mir seine Stofflieferanten in Schweden, Oesterreich, Spanien und England, eine Karosseriebeschägefirma in Norwegen und eine Schaumstoffirma in der Nähe von Trondheim an. Er möchte, dass ich mich nach Leder umsehe und ihm Zeichnungen von möglichen Sitzgruppen mache. Die Stofflieferanten schreibe ich nicht alle an, Von der Karosseriebeschlägefirma erhalte ich einen Katalog und von der Schaumstoffirma besucht mich etwas später ein Vertreter. Eine Lederfirma kann ich vorerst nicht finden, da ich im Internet nie die "Gelben Seiten" öffnen kann.

Letzten Samstag war ich mit einem Mann in Steinkjer (ca. 80 km nördlich, Hauptort von Nordtrøndelag). Wir haben in einem im Winter geschlossenen Museum das erste Auto, das im Nordtrøndelag fuhr, angesehen. Es gehört dem Nordtrøndelager Motorhistorischen Club und wird zur Zeit renoviert. Ich soll die Sitze neu herstellen und die Rückenpolster reparieren. Ich habe die Arbeit gratis versprochen, der Club muss nur das Material zahlen und für mich Werbung machen. Das Auto ist ein Vivinus Jg. 1910 von Belgien. Der Mann hat mir später eine Broschüre gebracht, wo die Geschichte des Autos beschrieben ist. Die Chassisnummer ist 252, wobei mit 250 begonnen wurde. Ich vermute, dass nicht viele von diesen Fahrzeugen gebaut wurden. Im Internet habe ich nur immer wieder einen kleinen Vivinus Jg. 1900 und Flugzeugmotoren gefunden. 1912 hat die Firma aufgehört zu produzieren. Der Club hat noch einen schönen alten Ford-Bus, der in noch gutem Zustand ist und manchmal vor allem mir Schulkindern gefahren wird.

Dieser Kunde hat sich bei einem Freund nach Lederfirmen erkundigt. Angeblich gibts nur eine Firma in Norwegen und die will mich nicht verstehen, wenn ich Muster bestellen will. Der Freund, scheinbar ein Innendekorateur hat erklärt, dass er Leder vor allem in Deutschland kauft, wo es viel billiger als in Norwegen sei. So habe ich nun auch Ledermuster von Deutschland angefordert.

Ich habe für Albert Amsler eine Blache hergestellt. Der Transport in die Schweiz soll nun 800.- Fr. kosten. So könnte ich nichts verdienen. Vom 8.-10. April ist die Tech-Textil in Frankfurt, die ich besuchen will, die Blache für Albert muss aber am 15. März montiert sein. So habe ich mich entschlossen, am nächsten Mittwoch oder Donnerstag in die Schweiz zu fahren und bis zur Techtextil dort zu bleiben. Albert behauptet, sehr viel Arbeit zu haben und drängt schon lange, dass ich ihm helfe. Finanziell wirds ein Risiko, aber hier zu bleiben ebenfalls. Ich muss ausserdem einige Arztbesuche im Zusammenhang mit dem Kanada-Gesuch erledigen.

Es gefällt mir noch immer sehr gut hier, ich fühle mich hier daheim (wenn ich Stjørdal verlasse, habe ich das Gefühl, meine Heimat zu verlassen) und geniesse, erstmals eine Werkstatt zu haben, wo ich tagsüber das künstliche Licht löschen kann. Nur bin ich stark "ausgebrannt". Ich mag fast nicht mehr und habe für alle Arbeiten viel zu lange, was sich bei den tiefen Preisen verheerend auswirkt. Meistens bin ich nach der Schule (Vormittags) schon sehr müde und mag fast nicht mehr arbeiten. Ich bin oft gereizt, weil ich kaum weitersehe. Kürzlich, als ich mich so über die nowegischen Seile ärgerte, holte mich Kalle, der Mechaniker der Mühle, und zeigte mir zur Beruhigung die Enten und Schwäne im Bach draussen. Gestern Abend, als ich zwischendurch Kristine nach ihrem Ausgang nach Hegra nach Hause brachte, war das Nordlicht wiedereinmal sehr schön. (Kristine ist ein 19jähriges Mädchen aus Norddeutschland. Sie arbeitet hier ein Jahr "au-pair" und geht mit mir in die gleiche Klasse. Wir sind die beiden einzigen, die Deutsch sprechen.

In einem Monat haben wir Euch schon wieder überholt: dann sind die Tage in Norwegen wieder länger als in der Schweiz. Das Wetter ist immer noch "ausnahmsweise" schön: Nach dem "Jahrhundertsommer" haben wir den trockensten Februar seit langem gehabt. Heute Morgen waren die Autoscheiben zum ersten Mal nicht eisbedeckt.

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Anfang Juni 03

 

Mitte März zog ich also wieder in die Schweiz.Am 15. März montierte ich die Blache bei Albert. Danach arbeitete ich 2 Wochen bei ihm. Ich konnte auch bei ihm wohnen und wurde richtig verwöhnt.

Ich besuchte die Pamatech und arbeitete die 3. Woche dort. Ich musste mich wieder neu ins Zeichenprogramm einarbeiten. Ich entwarf einige Teile für den Pommes-frites-automaten, vor allem in der Münzabteilung und stellte einige Zeichnungen aus Modellen her. Wie immer genoss ich das gute Arbeitsklima.

Bei Peter Hager mass ich 2 Blachenverdecke, 1 sehr grosses und ein sehr kleines. Bei Walter Reichenbach nahm ich die Masse für ein Partyzelt (Vorbau) auf und versprach das Zelt bis am 25. April, da er für den 26. April eine Honda-Ausstellung plante.

Ich schlief meistens im Auto auf einem Parkplatz an der Reuss und badete am Morgen in der Reuss. Bei verschiedenen Autosattlern erkundigte ich mich nach alten Mercedesstoffen für den Polsterer in Lavanger. An einem Sonntag besuchte ich zusammen mit Albert in Fribourg eine Ausstellung für Oldtimerteile. Ich suchte nach zwei Karbid-Scheinwerfern für den Vivinus, fand aber nur einen ähnlichen. An einem andern Sonntag ging ich ins Oldtimermuseum in Mulhouse, um mich auf die Arbeit mit dem Vivinus vorzubereiten.

Am 7. April besuchte ich die Techtextil in Frankfurt. Ich ging am Mittag hinein und konnte bis am Abend nicht alle Stände besuchen. Sie war sehr reichhaltig und man merkte, dass die Entwicklung wieder im Fluss ist. Anschliessend fuhr ich nach Norwegen.

Ich fertigte noch vor Ostern ein Bootsverdeck an und arbeitete anschliessend an den Blachen für die Schweiz.

An Ostern wurde ich von Kristina eingeladen. Zwei Freundinnen von Kristina waren noch dort. So hatte ich Möglichkeit, norwegisch zu sprechen und vor allem norwegisch zu hören. Es war eine eigenartige, für mich unbekannte Stimmung. Wir haben belangloses Zeug geplaudert und alle drei Mädchen schauten gespannt auf ihre Natels. Als dann ein Natel ein SMS ankündigte, sprangen alle drei in die Höhe. Irgend ein Junge schrieb dann irgend eine Ausrede, warum er sich lange nicht mehr gemeldet hatte und dass er nun mit dem Freund computerspiele. Die angerufene freute sich ausserordentlich über das Lebenszeichen und konnte nicht warten, sofort zurückzuschreiben. Zu dritt wurde dann beraten, wie am besten geantwortet würde, dies vor allem auch wegen Norwegisch-Schwierigkeiten. Wenn der Junge dann nocheinmal schrieb, fühlte sich das entsprechende Mädchen in den 7. Himmel versetzt. Ich sah aber auch Schmerzen in den Augen des Mädchens, dessen "Freund" sich kaum meldete. Vielleicht war es auch die Müdigkeit. Ich wunderte mich, warum die Mädchen den Burschen so nachrennen und empfahl, die Burschen auch einmal warten zu lassen. Die Mädchen erklärten mir, dass dies in Norwegen eben so sei und sie froh sein müssten, überhaupt mit einem Jungen Kontakt zu haben. In Italien oder Spanien wäre dies anders, aber wir seien hier eben in Norwegen. Ich dachte an Monika. Wievielmal hat sie wohl schon auf ein Lebenszeichen von mir gewartet? Ich nahm mir vor, sie in Zukunft weniger warten zu lassen. Als ich zur Heimfahrt ins Auto stieg, sah ich auf meinem Natel, dass Monika unterdessen zweimal versucht hatte, mir anzurufen.

Einmal ging ich auf dem „Sparebank-Wanderweg" spazieren. Ich ging viel über Schneefelder. Die Seen waren noch zugefroren. Die Wiesen waren noch gelb und die Stoppelfelder vom Herbst noch nicht gepflügt. Am Dienstag nach Ostern ging ich an den ersten OL der Saison. Er war am Stjördaler Strand. Ich fand mit Mühe alle Posten, brauchte aber viel Zeit dafür. Ich war schon im Herbst an 2 OL. Am Anfang konnte ich kaum einen Posten finden und musste meine Taktik ändern. Das Gelände ist sehr uneben und mit dem tiefen, dichten Gehölz sehr unübersichtlich. Während ich in der Schweiz jeweils den Wegen entlang oder quer dazu mit einem Weg als Auffanglinie in die Nähe des Postens ging und dann den Posten in der ungefähren Richtung suchte, musste ich hier den Kompass brauchen. Ohne Kompass hatte ich keine Chance.

In der ganzen Zeit, in der ich in Stjördal war, war keine Schule. Am Mittwoch Abend fuhr ich in die Schweiz, wo ich am Freitag Abend ankam, noch rechtzeitig, um die Blache bei Walter Reichenbach zu montieren. Am Samstag montierte ich die Blachen bei Peter Hager und am Montag brachte ich Albert eine Blache und half ihm ein wenig. Am Abend wollte ich in Hedingen den Paternoster laden, er war aber zu schwer. Peter Hager fuhr mit dem Tieflader, auf dem der Paternoster gelagert war, mit rechter Rauchentwicklung nach Zwillikon, wo wir am Dienstag morgen luden. Gegen Abend fuhr ich wieder ab und war am 1. Mai wieder in Stjördal, wo sich einige Arbeit angesammelt hatte. Schule war erst wieder am Montag.

Ich konnte den norwegischen Führerschein im Strassenverkehrsamt abholen. In der Schweiz wurde mir wegen dem Blutdruck alle 2 – 3 Jahre ärztliche Kontrolle aufgebrummt und so musste ich hier vor dem Mai zum Arzt gehen, da in der Schweiz der Termin im Mai fällig gewesen wäre. Nun erhielt ich die Bewilligung für Lastwagen und gewerbsmässigen Personentransport für 10 Jahre.

Im Laufe des Mai‘s stellte ich den Paternoster auf und brachte Kran und Polsterpresse zum funktionieren. Daneben hatte ich eigentlich einiges an Arbeit, z. T. unter Stress. So u.a. 5 Bootspolster mit Stamskin, 3 Zahnarztstühle mit Stamskin beziehen, 3 Dachblachen, ein Koch- und Verkaufszelt für das Theater in Stiklestad nach alter Art mit Baumwollstoff (siehe: 17. Mai-Geschichte-Vikinger), div. Bürostühle für die Mühle, 2 Viereckblachen und ein Blachenverdeck als Garage, 2 Sitze für einen Mini mit geschweissten Pfeifen, 1 kleines Blachenverdeck, 1 Lieferwagenteppich, div. kleine Reparaturen und über Pfingsten 9 Bootspolster. Meine Leistungsfähigkeit liess aber zu wünschen übrig. So musste ich oft in der Schule fehlen. Dies machte sich dann an der „Abschlussprüfung" bemerkbar, wo ich mit grosser Wahrscheinlichkeit durchfiel, weil ich fast nichts verstand. Es kam mir alles sehr verschwommen vor. Eigentlich ist dies nicht verwunderlich, da ich kaum mit Norwegern ins Gespräch komme und sehr lange in der Schweiz war. Einzig Kalle kommt fast täglich in die Werkstatt und spricht einige Sätze mit mir.

Nach Besprechung an der Techtextil habe ich vor etwa 3 Wochen Material in der Schweiz bestellt, weil die Dänen die Produktion eingestellt haben und das von ihnen gelieferte und in Italien produzierte Material sehr hart war. Ich hatte vor einem Jahr auf Anfrage in der Schweiz hin von Finnland ein Angebot erhalten. Nun verrechnen die Schweizer 65 % mehr, den in der Schweiz üblichen Preis. Mit den sehr teuren Transportkosten und 24% Mehrwertsteuer müsste ich draufzahlen. Nach Diskussionen geben die Schweizer nach und verrechnen den finnischen Preis. Allein der Unterschied der Mehrwertsteuer macht sFr. 150.- aus.

Ich habe das Schreiben dieses Berichts wegen Ueberlastung lange verschoben. Heute, Pfingstmontag, überlegte ich mir, ob es sinnvoll sei, zu schreiben. Ich hatte wiedereinmal ein grosses Tief. Für norwegische Kunden habe ich fast keine Arbeit mehr. Der Mai war der erste Monat, in dem ich genügend, wenn auch z.T. schlecht bezahlte Arbeit hatte. Ich habe einiges gearbeitet und habe trotzdem ein finanzielles Loch. Ich weiss nicht, wie ich über die allernächste Zeit weiterkommen kann. Zum Glück weiss ich, dass ich bald in der Pamatech verdienen kann, aber bis dann ist alles sehr knapp. Ohne Pamatech wäre ich wieder einmal mehr nahe daran, alles liegenzulassen und unterzutauchen. Plötzlich leutet das Telefon. Der Kunde, dessen Bootssitze ich heute fertiggemacht habe, will diese holen. Wie in Norwegen üblich zahlt er bar und ich bin wiedereinmal gerettet. So geht es immer wieder: hinauf und hinunter – aber schlussendlich immer weiter.

Anfang Mai haben die Bauern dann endlich die Aecker gepflügt und angesät. Im Mai hat das Wetter schnell gewechselt: es hat einige heisse Tage gegeben und es hat z.T. stark geregnet. In den letzten Tagen ist es relativ kühl (in der Schweiz soll es über 30 Grad sein) und ich bedaure, in der kurzen norwegischen Sommerzeit in der Schweiz zu verbringen. Im Mai ist aber alles sehr schnell gewachsen. Die Wiesen sind grün geworden und das Gras ist heute sehr hoch. Es hat nicht viele verschiedene Blumen. Enorm viel Löwenzahn hat es. Daneben Hahnenfuss und Kerbel. In den Wäldern viel Glockenblumen. In den Aeckern kommen die Pflanzen langsam aus dem Boden. Am Samstag Abend bin ich wiedereinmal auf den „Stjördaler Uetliberg" gegangen. Ich war um 23:20 oben und die Sonne war schon um ¼ hinter dem Horizont verschwunden. Die Aussicht auf das Gebiet des Fjords war wunderbar. Alles schien nahe und sehr plastisch. Als ich nach Mitternacht wieder unten ankam, dämmerte es bereits. Gestern Abend war ich mit Kristine am Strand. Das Wasser war hoch, was mir viel besser gefällt.

Morgen gehe ich wiedereinmal in die Schule. Ich habe noch eine Reparatur und eine kleine Blache zu machen. Sonst möchte ich in nächster Zeit aufräumen und endlich die Waren versorgen, die ich das letzte Mal von der Schweiz gebracht habe. Anschliessend mache ich 3 Blachenverdecke und eine Blache für die Schweiz. Ausserdem ein einfaches Bootsverdeck, das ich am Samstag in Trondheim ausgemessen habe. Dies soll eine etwas spezielle Konstruktion geben. Etwa am 22. Juni werde ich in die Schweiz fahren und dann dort die Blachen montieren und in der Pamatech arbeiten. Voraussichtlich fahre ich nach den Sommerferien wieder nach Norwegen. Ev. werde ich einen 2-Monate-Rythmus einführen, da hier zuwenig Arbeit ist. So sollte ich überleben können.

 

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Anfang März 04

Zurück zum Einwanderungsgesuch nach Kanada: Ja, die ärztliche Untersuchung ist wirklich schief verlaufen. Die Botschaft verlangte eine zweite Untersuchung und Röthgenbilder, die ja bekanntlich der Realität entsprechen. Im Juni 2003 erhalte ich dann unerwartet die Aufenthaltsbewilligung. Ich muss innert einem halben Jahr für mind. 1 Tag einreisen und in den nächsten 5 Jahren 2 Jahre in Kanada sein. So habe ich 3 Jahr Zeit für die Entscheidung. Ich fühle, dass meine Kräfte kaum noch genügen, um meine Werkstatt nocheinmal zu zügeln und neu einzurichten. So beschliesse ich, bis Ende 2004 nocheinmal in Norwegen eine Lösung zu suchen und es nachher eben ohne Beziehungen und ohne Werkstatt in Kanada zu versuchen.

Im Juni schreibe ich an die schweizerische Botschaft in Oslo, damit meine Steuerangelegenheiten in der Schweiz endlich erledigt werden. Die Botschaft erklärt sich für unzuständig und stellt fest, dass ich verpflichtet sei, mich bei ihr anzumelden. Ich melde mich an und erhalte das Stimm- und Wahlrecht in der Schweiz, was mir in der Schweiz lange Zeit verweigert wurde.

Ebenfalls im Juni schliesse ich den Norwegischkurs mit einer Prüfung ab, die ich mit "bestått" im mündlichen und "godt bestått" im schriftlichen bestehe. Man teilt mir mit, dass ich nun genug norwegisch könne (was ich sicher nicht glauben kann) und als Nichtakademiker keine weiteren Kurse besuchen könne.

Juli und August arbeite ich in der Schweiz in der Pamatech. Ich fühle mich in dieser Firma nun schon "zuhause" und es gefällt mir in jeder Beziehung gut. Ich fahre immer mit dem Bus und Anhänger hin und her und zügle jedes Mal.

Ich habe vorher geschrieben, wie es im April / Mai nur Löwenzahn hatte. Dies hat sich nun geändert. Im Juni sind hier die Wiesen voll Frühlingsblumen und auf der Fahrt in die Schweiz über die Berge waren die bunten Strassenränder wunderbar anzusehen.

Ende August fahre ich wieder nach Norwegen und Mitte September wieder in die Schweiz, weil ich mithelfen möchte, eine Maschine für eine Ausstellung fertig zu machen. Anfang Oktober wieder nach Norwegen, um ein für Ende Oktober versprochenes Blachenverdeck zu machen und damit meine Abwesenheit nicht zu lang ist. Ich habe in Norwegen viel zuwenig Arbeit zum existieren, jedoch wenn ich in der Schweiz meinen Lebensunterhalt verdiene, verliere ich Kunden in Norwegen. Mitte Oktober also wieder in die Schweiz und Anfang November wieder nach Norwegen. Ende November wieder in die Schweiz und Mitte Januar wieder nach Norwegen, wo ich heute noch bin.

Unterdessen kenne ich die Strecken nach Norwegen und zurück. Mit Last durchs ebene Rheintal, ohne Last manchmal an Stuttgard vorbei. Jedesmal die Strecke Kassel - Hamburg - Puttgarden - Kopenhagen - Helsingör - Helsingborg - Götheborg oder umgekehrt. Die deutschen Autobahnen sind mühsam und ich bin immer froh, wenn ich sie hinter mir habe. Vor allem mit dem Anhänger komme ich kaum aus den Lastwagen und dem dazugehörigen aggressiven Verkehr heraus. An Wochenenden gehts etwas besser. Statt den Fähren könnte ich Brücken benützen. Diese sind aber kaum billiger und die Fahrt wäre weiter. Ausserdem schätze ich die Pausen auf den Fähren. In Dänemark hats zwar manchmal auch viel Verkehr und Staus in der Umgebung von Kopenhagen sind absolut nicht selten. Aber der Verkehr ist viel angenhmer und die Zeit bis zur nächsten Fährenpause recht kurz. Trotzdem schlafe ich noch oft in Dänemark. Nach den ersten paar Metern in Schweden werde ich dann meistens von Zollangestellten untersucht. Dänemark und Schweden sind in der EU und eigentlich wäre keine Zollkontrolle, aber wofür soll man die Zollangestellten denn sonst brauchen...........? Dafür ist dann zwischen Schweden und Norwegen keine Kontrolle, trotzdem Norwegen nicht in der EU ist. In Schweden ist dann nicht mehr viel Verkehr und er nimmt bis Stjørdal dauernd ab. In Hauptverkehrszeiten kanns allerdings in der Nähe von Götheborg und Oslo zu Stau kommen. Einen langen Stau (Kø = Schlange) gibts regelmässig vor 8Uhr von Süden her vor Oslo. In Schweden habe ich mich anfangs über die Rastplätze inmitten von riesigen Einkaufszentren geärgert, heute kenne ich aber sehr schöne Rastplätze. Von einem Rastplatz gelangt man in einem schönen, kurzen Spaziergang an einen Badestrand am Meer. Auch andere Plätze sind schön und ruhig eingerichtet. So schlafe ich z.B. noch gerne im "Himle", wo es nachts sehr ruhig ist. 

Von Uddevalla aus wähle ich von 3 verschiedenen Strecken. Im Sommer fahre ich gerne Richtung Karlstadt und dann Richtung Røros. Das erste Stück in Schweden und der Streckenabschnitt vor Røros sind eher langweilig. dazwischen führt die Strasse aber langen Seen entlang und das Gebiet ist sehr schön. Die Strecke Røros - Stjørdal führt über die Berge und vielen Seen entlang. Man sieht weit übers Gebiet. Gerne möchte ich in diesem Gebiet einmal wandern gehen, bis jetzt habe ich aber noch keine Zeit dafür gefunden. Auf dieser Strecke muss ich nicht durch Städte fahren, was mir recht ist. Diese Strecke gefällt mir am besten, aber ich weiss nicht, wie sie im Winter gefahren werden kann. Seit wenigen Jahren ist sie ausgebaut und soll im Winter unterhalten werden. Dann ist die E6, DIE Strasse Norwegens. Da bin ich erst wenige Male gefahren. So z.B. auf der letzten Fahrt im Januar, als alle Strassen vereist waren. Die E6 ist am besten unterhalten. Von den 3 Strecken führt sie am meisten durch bewohntes Gebiet und hat am meisten Verkehr. Bis zum neuen Osloer Flughafen fährt man den grössten Teil über Autobahnen. Nachher ist ein langes Stück Autostrasse. Das Gebiet ist aber auch sehr schön mit Bergen und Seen. Imposant sind die grossen Brücken, z.B. bei Uddevalla. Bei der Grenze Schweden - Norwegen wird zur Zeit eine riesige Brücke über den Fjord gebaut und man kann jedes Mal den Fortschritt sehen. Am meisten fahre ich aber der Strasse Nr. 3 entlang. Dies ist die kürzeste Strecke und hat am wenigsten Höhenunterschied. Fast bis Hammar fährt man auch der E6 entlang, dann aber via Elverum - Tynset wieder zur E6. Es mag langweilig tönen, 200 km fast immer durch den Wald und immer dem gleichen Fluss entlang von Elverum bis Tynset zu fahren. Aber ich liebe diese Strecke. Es hat kaum Verkehr. Die Strecke ist trotzdem recht gut ausgebaut und im Winter zwar nicht gesalzen, aber gut gesandet. Auf der langen Reise hat man gerne einen Streckenabschnitt wo man sich ausruhen kann. Ausserdem kenne ich diese Strecke am besten.

Anfang Dezember fliege ich nach Montreal. Ich will den Pflichttag in Kanada erfüllen um mir die Möglichkeit offen zu lassen, dort meinen Lebensabend zu verbringen. Ich bin 5 Tage in Montreal und schaue mir verschiedene Quartiere, Parks und den Mont Royal in dieser Riesenstadt an. Ich lese über die Stadt und besuche verschiedene Museen. Es gefällt mir sehr gut in dieser Stadt. Sie bildet mir ein Gegensatz zu Stjördal. Nicht diese Reinlichkeit. Aber mehr Wärme. Das Wetter ist zwar kalt, regnerisch um null Grad. Zum Teil schneits. Aber die Menschen sind wärmer. Während im Nordtröndelag sehr viele Menschen das Gebiet kaum je verlassen haben, stammen in Montreal viele Leute von Einwandererfamilien. Dies zeigt sich im Verständnis und der Akzeptanz gegenüber Einwanderern und sogar im Ortsmuseum, wo 2/3 den Einwandererproblemen gewidmet sind. Alle Leute, die ich frage, sagen, dass sie sehr gerne hier wohnen wegen den andern Einwohnern. Die Stadt hat zwar riesige Verwaltungshochhäuser, womit sich heute jede Grossstadt gerne zeigt, aber ich glaube, dass sie wirtschaftlich ziemlich am Boden ist. Das Kapital wurde vor 20 Jahren nach Westen verschoben und viele der grossen Fabriken wurden geschlossen. Es wäre wahrscheinlich schwierig, hier Arbeit zu finden. Ausserdem könnte ich mit dem Lohn kaum den Werkstattmietzins in Norwegen bezahlen. Mir gefällt, wie viele Kulturen friedlich zusammenwohnen. Der Südeuropäische Einschlag ist stark spürbar. Die Stadt ist zweisprachig: französisch und englisch. Die meisten Leute sprechen beide Sprachen und wenn sie merken, dass ich im Französisch eine falsche Betonung habe, wechseln sie automatisch auf englisch. Die beiden Hauptkulturen ergänzen sich sehr gut. Von den Indianern merkt man nicht sehr viel und die Geschichte vor der europäischen Einwanderung wird möglichst ignoriert. Dies ist aber in Norwegen nicht viel anders. Auch die Norweger haben Mühe mit den Samen, die allerdings viele Teile des Landes bewohnen.

Nach Intervention der schweizerischen Botschaft in Oslo werden im Dezember endlich meine seit 1999 verschobenen Steuerangelegenheiten in Bonstetten erledigt. Ich werde vom Chef des kantonalen Zürcher Steueramtes eingeladen. Er stellt fest, dass das 1999  mit Hilfe von Steuergeldern enteignete Vermögen wesentlich grösser war als mein Einkommen vom 1. Januar 1999 bis heute und er erlässt mir praktisch alle Steuern seit 1999. Ich werde einiges zurückerhalten.

Im November bestelle ich über die Pamatech einen neuen tragbaren Computer, da ich mit dem alten die Arbeit für die ETH nicht ausführen könnte. Auf sehr grosszügige Art wird mir der Computer von der Pamatech zu Weihnachten geschenkt.

Wenn ich in der Schweiz bin,besuche ich im November und Dezember in der ETH Vorlesungen über Mechatronik. Elektromotoren, von denen ich keine grosse Ahnung habe, werden behandelt. Herr Prof. Meyer verspricht mir auch Arbeit. Anfang Januar nehme ich ein Almeter, ein Gerät zum Messen von Textilfaserlängen mit nach Norwegen. Ich soll es fertig programmieren und dann das zweite Gerät der ETH ausrüsten. Anschliessend kann ich den von der ETH entwickelten Einbau und das zusammen entwickelte Programm an weitere Besitzer solcher Geräte verkaufen, damit diese ihr Almeter mit ihrem Computer verbinden können. Um diese Arbeiten ausführen zu können, muss ich vorerst Visual Basic.NET lernen, was ich zur Zeit mache. Ich hoffe, dass ich diese Kenntnisse einmal auch anderweitig brauchen kann. Das Programm wird mir für diese Arbeit von der ETH zur Verfügung gestellt.

Ueber Neujahr mache ich in der Pamatech ein Excel-System zum berechnen von Kurvenscheiben. Es ist das erste Mal, dass ich ein grösseres mathematisches System mache. Roland macht dazu ein Programm, damit die Kurvenscheiben automatisch dreidimensional gezeichnet werden können. Ich erlebe zum ersten Mal so richtig, wie es ist, zusammen mit andern, die über andere Kenntnisse verfügen, etwas zu entwickeln.

Ab Januar besuche ich wieder eine Abend-Technikerschule. Die Absicht ist, besser norwegisch und vor allem technisches Norwegisch zu lernen. Da in Norwegen, wo Sozial- und Bildungswesen stark ausgebaut und vom Staat gefördert sind, kaum Abendkurse angeboten werden, steige ich im 4. Semester ein. Ich merke bald, dass ich zwar sprachlich weniger Schwierigkeiten habe, dem Kurs zu folgen. Die Vorlesungen werden zum Glück in Bokmål gehalten. Jedoch fehlt mir viel in Mathematik. Beim Lernen merke ich, dass ich seit der Zeit in Dietikon viel älter geworden bin und Mühe habe, logisch zu denken. Langsam wirds aber wieder besser. Ich denke oft an damalige Mitschüler, die mehr Mühe hatten als ich. Pro Semester werden 2 Fächer unterrichtet und jetzt stehen Physik und Thermodynamik im Programm. Sprachlich sicher gut zum Einsteigen. Thermodynamik ist für mich ganz neu. Ich lerne zuerst in Mathematik das wichtigste und konzentriere mich dann auf Thermodynamik, da dort bald das erste Teilexamen ist. Ich erreiche einen Fünfer, für den grossen Aufwand nicht besonders viel, aber auch nicht wenig. Ich staune, wie einige Mitschüler die Sache gelassen nehmen. 5 von 12 würden nicht bestehen, wenn die 2. und 3. Teilprüfung gleich ausfiele. Genaues weiss ich aber nicht, da ich die Mitschüler nicht verstehe, wenn sie dialekt miteinander sprechen.

Der Kurs ist in der Fa. Aker in Verdal und wird von Hint (Høyskole i Nordtrøndelag) organisiert. Aker ist eine sehr grosse (720 Angestellte) und interessante Firma. Sie baut Oelplattformen.

Es ist Frühling geworden. Die Tage sind viel länger geworden. Letzte Woche wars regnerisch und Ende Woche hats geschneit, am Sonntag dann wieder geregnet und der Schnee ist zu Eis erstarrt. Eis gibt es hier sehr viel und das ist ungewöhnlich für einen Schweizer. Die Innerortsstrassen und Gehwege können wochenlang mit dickem Eis bedeckt sein. Vor einem Jahr waren die Aecker dick mit Eis bedeckt und es wurde April, bis das Eis wegschmolz. Diese Woche ist aber meist sehr schönes Wetter und relativ warm. (Im Gegensatz zu der Schweiz, wo es zur Zeit relativ kalt sein soll). Eis und Schnee sind verschwunden. Ja, es ist Frühlingsstimmung.

Leider kommt aber nur wenig Arbeit, resp.ich habe das Gefühl, es sei so. Wie ich die Mehrwertsteuerabrechnung mache, merke ich, dass es gar nicht so schlimm ist. Zwar genügen die Einnahmen hier noch nicht, um hier zu leben, aber sie sind nicht mehr weit davon entfernt. Ich habe einen neuen, einfacheren Prospekt gemacht,den ich selber drucke und der von meinem Hausmeister mit der Post verschickt wird. So kann ich ohne unterdessen sehr teuer gewordene Porti werben. Ich habe letzte Woche auch die Hjemmeside neu gestaltet, um die Mechatronik besser herauszuheben. Ein Mann von Sprinkler hat mich besucht und ich habe meinen Betrieb angemeldet. Ausserdem habe ich mich in Trondheim für 2 Stellen beworben.

 

Ich bin nicht mehr Schweizer

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 06. december 2015

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